Gewerkschafter, handelt!

Arbeitszeitkonferenz – viele folgten dem Ruf von DGB und Friedrich-Ebert-Stiftung, jedoch was kam dabei raus? 

Die Möglichkeit von »Experimentierräumen« für die Auflösung des 8-Stunden-Tages, das Einfallstor für Arbeitszeitverlängerungen, wurde von DGB-Hoffman ausdrücklich begrüßt. Er sprang über Nahles‘ Stöckchen, dass dafür ja die Tarifvertragsparteien zuständig seien – Verschlechterung des Arbeitsschutzes also nur mit Zustimmung der Gewerkschaften. Neusprech Hoffmann: »Flexibilität neu denken!« Der menschliche Rhythmus soll wie zu Zeiten ihres seligen Urgroßvaters wieder der Rhythmus der Arbeit werden.

Sagt mal geht´s noch, tickt ihr noch ganz sauber?

Mein Fazit zur Arbeitszeitkonferenz: Mehr als der Abbau von Überstunden und die gesetzliche Regulierung von Home-Office-Arbeit fiel ver.di dazu nicht ein. Wenn die Gewerkschaften mit ihren derzeitigen Arbeitszeitkampagnen nicht bei der einseitig durch Unternehmen gesteuerten Flexibilität stehenbleiben wollen, müssen sie auf den groben Unternehmerklotz der Verlängerung der Arbeitszeit auch einen groben gewerkschaftlichen Keil der radikalen Verkürzung der Arbeitszeit setzen!

Gewerkschafter, wann besinnt Ihr Euch auf das Notwendige?

Die Autorität des Kapitals ist geschwächt, zumal es, außer noch brutalerer Ausbeutung, kein Konzept hat. Verschlaft die Situation nicht. Sonst wird sich Euer Mitgliederschwund fortsetzen. Und der Eures Durchsetzungsvermögens.

Es steht zu befürchten, dass die gegenwärtige Generation von Gewerkschaftern mit dieser Aufgabe überfordert ist.

Wann begreift ihr, das Flexibilität nichts anderes als »Arbeit auf Abruf ist«. Das ist „Ausbeutung“ pur, denn rund 1,5 Millionen Angestellte wissen nicht, ob ihr Lohn zum Leben reicht. Sie arbeiten auf Abruf, nur wenn der Chef sie braucht. Wartezeiten werden nicht bezahlt, ein Zweitjob unmöglich.

Immer mehr Menschen arbeiten in Deutschland nur dann, wenn die Firma ruft. Mal zehn, mal 40 Stunden pro Woche. Unkalkulierbar. Die Beschäftigten stehen unter Druck, immer bereit für die nächste Schicht. So unsicher wie die Arbeitszeiten, ist auch das Einkommen.

Arbeit auf Abruf – moderne Tagelöhner! Und die Gewerkschaften schauen nicht nur zu, sondern machen auch noch mit. Auf die neoliberale Politik braucht ihr nicht zu schauen, denn die stellen die Abläufe von den Füßen auf den Kopf. Profitmaximierung auf Kosten der Arbeitnehmer. Immer flexibler, immer billiger, der deutsche Arbeitsmarkt ist nicht mehr gerecht!

Die Antwort findet sich im Teilzeit- und Befristungsgesetz, das am 1. Januar 2001 in Kraft trat. Eines der vielen Instrumente, die Bewegung in den vermeintlich starren deutschen Arbeitsmarkt bringen sollten. Mit diesem Gesetz erlaubte die rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder (SPD) die gerade viel diskutierte „sachgrundlose Befristung“. Teilzeit- und Befristungsgesetz – auf den ersten Blick klingt das harmlos, das Gesetz bündelt alle Vorteile beim Arbeitgeber und schiebt alle Nachteile den Beschäftigten zu. Mit Arbeit auf Abruf können Unternehmen das wirtschaftliche Risiko, das eigentlich sie tragen müssten, auf ihre Angestellten abwälzen.

Generell ist es ein Leben unter Druck! Man sollte meinen, die Gewerkschaften – sind natürliche Kontrahenten der Unternehmen, aber dem ist nicht mehr so. Zwar hat der Deutsche Gewerkschaftsbund Ende 2016 eine Stellungnahme verabschiedet, in der er Arbeit auf Abruf kritisiert. Aber, schaut man genauer hin, wird klarer: Weder haben die meisten Gewerkschafter Kontakte zu Abrufmitarbeitern, noch sind sie bereit, Zeit und Energie zu investieren, um diese aufzubauen mit der Ziel-Richtung „Festvertrag“!

Erst kürzlich haben 16 Verkäuferinnen gemeinsam gegen ihre Abrufverträge geklagt. Als klar war, dass die Klagen Erfolg haben könnten, reagierte das Unternehmen, um eine Gerichtsentscheidung zu vermeiden, die das Abrufsystem gefährden könnte. Die Firma hatte die Frauen zu Einzelgesprächen gebeten und gelockt: Wenn ihr die Klage zurückzieht, bieten wir Euch Vollzeitverträge an. „Zuckerbrot“, „und als Alternative: die Peitsche.“ Denn man hat auch gedroht: Wer weiterklagt, der würde nur noch die Mindestzahl an Stunden arbeitet können und hätte in der Filiale sowieso nichts mehr zu lachen. „Es wirkte“, die Frauen haben Stück für Stück ihre Klagen zurückgezogen. Allein gelassen von den Gewerkschaften. Dieses ist nur ein Beispiel von vielen. Wir sind einer Armee von neoliberalen Bütteln ausgeliefert!

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