Weltherrschaft weniger Konzerne – wer mit wem?

Die politische Klasse ist verkommen, natürliche Ressourcen werden knapp, die Erde ist überbevölkert – und einige wenige Mega-Unternehmen beherrschen die Weltwirtschaft.

Im Jahr 2022 kämpfen die Menschen im überbevölkerten New York um die nackte Existenz, weil es an elementaren Ressourcen wie Wasser, Nahrung und Wohnraum mangelt.

Die Menschen, von denen lediglich noch ein paar Privilegierte wissen, was echtes Fleisch und Brot sind, ernähren sich von künstlich hergestellten, öffentlich verteilten Nahrungsmitteln der Firma Soylent.

Dieses Szenario war in den 70ern noch ein Science-Fiction im Spielfilm: Soylent Green – … Jahr 2022 … die überleben wollen! Durch die übermäßige Ausbeutung gleicht die Erde inzwischen einer Wüste, die Nahrungsgewinnung über Plankton ist demnach eine Lüge: Das Monopolunternehmen Soylent greift bei der Produktion seiner synthetischen Nahrung auf menschliche Leichen zurück.

Ist diese Zukunft schon Gegenwart? Zumindest der letzte Punkt trifft offenbar zu. Ein kleiner Kern extrem einflussreicher Konzerne kontrolliert direkt oder indirekt weite Teile der international agierenden Unternehmen und mit menschlichen Stammzellen wird auch schon gearbeitet, z. B. bei Nestlé. Und gibt es das Designer-Baby in Zukunft auf Bestellung?

Wasser, Nahrungsmittel, Energie oder Bankgeschäfte – schaut man sich die größten Konzerne der Welt an, wird klar, mit welchen Geschäften sich das meiste Geld machen lässt.

Plötzlich war sie da, die Protestbewegung Occupy Wall Street mit dem Schlagruf „Wir sind die 99 %“. Sie errichteten eine „Stadt“ aus Zelten im Zucotti Park. Occupy hatte in erster Linie die Banken und finanzwirtschaftlichen Institutionen im Visier, die man gemeinhin mit der Wall Street verbindet. Die Bewegung zielte jedoch – weit darüber hinaus – auf die Macht der privaten Wirtschaft insgesamt. Ihr zufolge findet sich in dieser Macht die Ursache der Notlagen für 99 Prozent der US- und Weltbevölkerung. Die OWS-Aktivisten in New York empörten sich über die „Gier der Konzerne“. Auf der ganzen Welt folgten daraufhin viele weitere Occupy-Gruppen.

2011 bestätigten Wissenschaftler der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH), dass weniger als ein Prozent der weltweiten Unternehmen 40 Prozent des weltweiten Wohlstands kontrollieren. Ihre Studie wurde unter „The network of global corporate control („Das Netzwerk der globalen Unternehmenskontrolle“) veröffentlicht.

Es galt, 43 000 Unternehmen zu durchleuchten, und nachdem die Uni 2007 mit dem Projekt startete, konnte sie erst im Oktober 2011 das Ergebnis präsentieren. Zwar hat sich die Lage vieler Unternehmen seit der zwischenzeitlichen Finanzkrise verändert und sicherlich sind es schon längst weniger als 147 Unternehmen, doch die Ergebnisse des Projektes vermitteln einen Eindruck davon, wie die Wirtschaftswelt aufgebaut ist.

Ein dicht verflochtener Kern aus 147 Unternehmen mit zahlreichen Vernetzungen, u. a. durch Investments (z. B. Aktien), bedeutet einen hohen Einfluss. Denn wer Unternehmensanteile besitzt, darf auch mitreden. Daraus haben die Schweizer Wirtschaftswissenschaftler eine Rangliste der einflussreichsten Unternehmen erarbeitet.

Das Resultat der Studie wirft freilich weitere Fragen auf. Ehe wir uns einigen von ihnen zuwenden, schauen wir uns zuvor die Plätze 1 bis 28 auf der Liste der 147 Unternehmen an, die die „ökonomische Super-Entität“ (globale Ökonomie) auf der Erde bilden:

  1. Barclays plc
  2. Capital Group Companies Inc
  3. FMR Corporation
  4. AXA
  5. State Street Corporation
  6. JP Morgan Chase & Co
  7. Legal & General Group plc
  8. Vanguard Group Inc
  9. UBS AG
  10. Merrill Lynch & Co Inc
  11. Wellington Management Co LLP
  12. Deutsche Bank AG
  13. Franklin Resources Inc.
  14. Credit Suisse Group
  15. Walton Enterprises LLC
  16. Bank of New York Mellon Corp
  17. Natixis
  18. Goldman Sachs Group Inc.
  19. T Rowe Price Group Inc.
  20. Legg Mason Inc.
  21. Morgan Stanley
  22. Mitsubishi UFJ Financial Group Inc.
  23. Northern Trust Corporation
  24. Société Générale
  25. Bank of America Corporation
  26. Lloyds TSB Group plc
  27. Invesco plc
  28. Allianz SE

Via Aktienanteile kontrollieren also 1318 Großunternehmen, die zusammen ungefähr 20 Prozent der weltweiten Geschäftsumsätze auf sich verteilen, die Mehrheit der weltgrößten Industriefirmen und der Unternehmen mit den höchsten Börsenwerten. Wer immer versucht herauszufinden, wem welches Unternehmen gehört, stößt dabei auf endlose Verzweigungen, Holdings, sich wiederholende Namen mit unterschiedlichen Gesellschaftsformen, Querverbindungen, nicht verfolgbare Aktien im Streubesitz. Kurzum: durch Aufkäufe und Verkäufe verlieren sich oft die Spuren.

Wie Sie der o. g. Liste entnehmen können, handelt es sich bei dem überwiegenden Teil um Banken und Firmen aus der Finanzwirtschaft. Angeführt wird die Liste vom britischen Finanzkonzern Barclays, es folgen der französische Axa-Konzern, der Schweizer Bankgigant UBS sowie der US-Riese Merrill Lynch und Goldman Sachs. Größtes deutsches Unternehmen ist die Deutsche Bank auf Rang zwölf der einflussreichsten Firmen, der Allianz-Konzern steht auf Platz 28.

Die AXA dürfte hier als Versicherung bekannt sein, früher gab es noch die Colonia. Die französische Union des Assurances de Paris (UAP) übernahm das deutsche Versicherungsunternehmen Colonia und fusionierte ihrerseits 1997 mit ihrem französischen Wettbewerber Axa. Dadurch stieg AXA auch auf dem deutschen Markt zu einem führenden Versicherer auf. Anfangs firmierte das Unternehmen in Deutschland noch unter dem Namen AXA-Colonia.

Ein Beispiel zu den Verflechtungen der Allianz und der Commerzbank

  • Allianz kaufte 2001 die Dresdner Bank für 30 Milliarden Euro;
  • 2008: Die Commerzbank hatte als erste große private Geschäftsbank die Staatshilfe angenommen: Staatseinlage von 8,2 Milliarden Euro;
  • 2008: Allianz verkaufte die Dresdner Bank an die Commerzbank und wurde größter Aktionär der neuen Bank (Gesamtpreis 9,8 Milliarden Euro für die Dresdner Bank, einschließlich eines Beitrags für einen Trust zur Risikoabdeckung spezieller ABS-Anlagen der Dresdner von bis zu 975 Millionen Euro – Allianz erwarb die Commerzbank-Fondstochter Cominvest );
  •  2011: Die Allianz half der Commerzbank teilweise aus der Kapitalnot: (750 Mio. EUR).

Zur Allianz AG sind auch noch die Verflechtungen der Hermes-Bürgschaften zu erwähnen. Seit dem 1. August 1996 wurde die Allianz Aktiengesellschaft Hauptaktionär von Hermes – mit rund 90 % qualifizierter Mehrheit am Grundkapital. Weitere Aktionäre: R+V Allgemeine Versicherungs-AG mit 5 %, sowie die Württembergische AG Versicherungs-Beteiligungsgesellschaft mit 2,5 %. Sie fragen sich sicher, wer ist und was macht Hermes?

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