Evang. Kirche distanziert sich abermals nicht vom Faschismus

Mit einer rassistisch, völkisch und von Intoleranz durchwirkten Partei „fair umgehen“ … ich krieg’s gar nicht zusammen.

Berlins evangelischer Landesbischof Markus Dröge fordert eine offene Debatte über rechtspopulistische Positionen und eine faire Auseinandersetzung mit der Alternative für Deutschland (AfD) und ihren Anhängern. „Man muss nicht immer harmonisch auseinandergehen“, sagte Dröge der Berliner Zeitung über die Arbeit der Kirchengemeinden.  Siehe auch: Die unrühmliche Rolle der Evangelischen Kirche im Dritten Reich.

Schon einmal hat die evangelische Kirche ein Brudermord begangen. Nach der Machtübernahme Hitlers opferte die evangelische Kirche jüdischstämmige Geistliche aus den eigenen Reihen – wie den Kölner Krankenhauspfarrer Ernst Flatow. Hierbei ist zum historischen Verständnis wesentlich, dass im Jahr 1933 95,2 % der Deutschen entweder Katholiken oder Protestanten waren, genau 62,7 % evangelisch und 32,5 % katholisch. Und die Bürger hatten damals auch eine deutlich festere Kirchenbindung als im 21. Jahrhundert. Der Aufstieg und die Entwicklung des Nationalsozialismus erfolgten also auf der Basis vor allem des evangelischen und des katholischen Glaubens, die beide als Nährboden dienten.

Hinsichtlich des Katholizismus urteilte der bekannte Historiker David I. Kertzer in seinem Werk Die Päpste und die Juden (2004):
„Als Ende des 19. Jahrhunderts die modernen antisemitischen Bewegungen entstanden, gehörte die katholische Kirche, die ständig vor einer wachsenden jüdischen Gefahr warnte, zu den bedeutendsten Akteuren.“ Alle Elemente der modernen Judenverhetzung seien „von der katholischen Kirche nicht nur geduldet, sondern auch von ihren offiziellen und inoffiziellen Organen aktiv vertreten“ worden … „Der Übergang von den mittelalterlichen Vorurteilen gegen die Juden zur modernen politischen antisemitischen Bewegung, der sich innerhalb weniger Jahrzehnte vor dem Holocaust vollzog, hatte in der katholischen Kirche einen seiner wichtigsten Architekten“ (Der Historiker David I. Kertzer, Die Päpste gegen die Juden, Berlin 2004).
 
Gleiches lässt sich auch über die evangelische Kirche sagen. Die Entstehung der evangelischen Kirche geht auf den Augustinermönch, Priester und Theologieprofessor Martin Luther (1483-1546) zurück. Der evangelisch-lutherische Landesbischof Martin Sasse erklärt, Martin Luther sei der „größte Antisemit seiner Zeit“ (siehe Zeitablauf: 1938). Innerhalb der evangelischen Kirche wird 1932 selbst dokumentiert, wie Luthers antijüdische Schriften in Verbindung mit den römisch-katholischen Schriften Jahrhunderte lang den Boden für den Antisemitismus der Gegenwart bereiteten (siehe Zeitablauf: 1933).
Ausgangspunkt des speziell evangelisch-lutherischen Antisemitismus ist dabei die Haltung des Reformators Martin Luther. In jüngeren Jahren versuchte er noch, die Juden zu seiner Reformation zu bekehren (siehe hier). Als dies weitgehend erfolglos blieb, wurde Luther zu einem massiven Feind der jüdischen Bevölkerung und forderte ihre Verfolgung. Eine Art Manifest ist dabei die Schrift Martin Luthers Von den Juden und ihren Lügen (1543).

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