Parteipolitische Neutralität der Gewerkschaften?

Es ist kaum zu ertragen, wie sich führende Gewerkschafter, allen voran der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann und der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske, für eine »Groko« aussprechen und die Befürworter auf dem SPD-Parteitag auch noch beklatschen. Das war im Fernsehen schön zu sehen. Der Zuschauer fragt sich, wo bleibt da die parteipolitische Neutralität der Gewerkschaften, die ansonsten so beschworen wird? Es gibt Mitglieder und Wähler vieler Parteien in den Gewerkschaften, Parteilose. Und viele Gewerkschafter mit SPD-Parteibuch, erst recht ohne, sind gegen eine »Groko«. Der Riss geht nicht nur durch die Partei, sondern auch durch die Gewerkschaften. Nach den Sondierungsgesprächen ist von einer »Groko« für Gewerkschafter so gut wie nichts zu erwarten, ganz im Gegenteil. Ein weiterer Stillstand ist zu erwarten – Verwalten statt Gestalten. Die SPD ist von einer Art Todessehnsucht ergriffen und gräbt sich ihr eigenes Grab.

Das wäre weniger schlimm, bestünde nicht die Gefahr, dass dieser Bazillus auch auf die Gewerkschaften übergreift und sie in den Sog des Sterbens mit zieht. 
Nackte Zahlen: 2001 hatte der DGB 7.899.009 Mitglieder, Verdi 2.806.496. Im Jahr 2017 sind es beim DGB noch 5.995.437 Mitglieder, bei Verdi 1.987.336. Das entspricht einem Rückgang von 24 bzw. 29 Prozent. Auch eine andere Zahl gibt sehr zu denken: 15 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder wählten AfD, mehr als im Bundesdurchschnitt der Gesamtbevölkerung.

Mein Appell: Die Gewerkschaften dürfen kein verlängerter Arm des SPD-Establishments, der Netzwerker und der Seeheimer sein.

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