Die IG Metall nutzt ihre Kampfkraft nicht mehr

„Eine Gewerkschaft, die sich auch als Interessenvertretung der Arbeitgeber versteht, ist keine Gewerkschaft mehr.“ Kritische Betrachtung zur Tarifpolitik der IG-Metall zum Thema Arbeitszeit. 

IG-Metall und die sogenannten Arbeitgeber haben sich in Baden-Württemberg auf einen Tarifabschluss in der Metall- und Elektrobranche geeinigt. Der Tarifvertrag, der als Pilotabschluss auch für andere Bundesländer gilt, hat eine sehr lange Laufzeit von 27 Monaten. Die 4,3 prozentige Lohnerhöhung entspricht umgerechnet auf die lange Laufzeit allerdings gerade einmal einem Plus von 2 Prozent, ist also letztlich nur eine Art Inflationsausgleich. Den Abschluss können wir hier nachlesen.

Es erzürnt einen schon, wenn die IG Metall auf die Forderung nach einer Angleichung der Arbeitszeit in Ost- und West verzichtet und erklären u.a: „Die letzte Bundestagswahl hat gezeigt, was passiert wenn Menschen sich abgehängt fühlen und kein Vertrauen mehr in die bestehenden Institutionen haben. Dieser Trend darf sich nicht in der IGM fortsetzen.“ Der Erfolg der AfD u.a. begründet in der Politik der IG Metall?

Die IG Metall nutzt ihre Kampfkraft nicht mehr!

Das Tarifwerk, welches hier vereinbart wurde, ist noch komplizierter als schon die Forderungen der IG Metall es waren. Das ist ein Problem, denn es bedeutet, dass das Ergebnis nur noch schwer durchschaubar ist und sich entsprechend auch leichter als Erfolg verkaufen lässt. Selbst für Fachleute ist das Konstrukt kaum zu verstehen.  (…) Allerdings gibt es die freien Tage nur, wenn man auf einen Teil der Lohnerhöhung für das Jahr 2019 verzichtet. Stattdessen müsste gefordert werden, dass es darum gehen muss, eine dauerhafte Arbeitszeitverkürzung für alle ohne Lohnverzicht zu erkämpfen. Angesichts der Rekordergebnisse der Konzerne wäre das möglich. Doch auch im übrigen Teil des Abschlusses ist genau das nicht der Fall. Vor allem bedeutet die Flexibilisierung nach oben eine massive Unterhöhlung der 35-Stunden-Woche, die 1984 in sieben Wochen Streik erkämpft wurde!

Die Logik der IG Metall-Führung bleibt die der Standortsicherung. Die IGM-Führung hat diesen Abschluss nicht etwa unterschrieben, weil sie kein Vertrauen in die Kampfbereitschaft der Beschäftigten oder Zweifel hatte, mehr durchsetzen zu können. Nein, sie steht hinter der Sicherung der Profitabilität, der „Wettbewerbsfähigkeit“ der deutschen Unternehmen und beschränkt bewusst die Forderungen auf das, was die Unternehmer als tragbar ansehen. Damit zementiert die IGM-Führung mit diesem Tarifvertrag ihre Politik des Co-Managements.

Abgesehen davon, dass die Arbeitsbelastung in vielen Metall-Betrieben steigen könnte, schadet dieser Umgang mit der Arbeitszeitfrage der gesamten Gewerkschaftsbewegung. Wenn sich in den Köpfen der Kolleginnen und Kollegen der Eindruck verfestigt, bei „Arbeitszeitverkürzung“ ginge es um verlustbehaftete Teilzeit für die einen und längeres Arbeiten für die anderen, werden sie nicht bereit sein, sich dafür einzusetzen. Kämpferische GewerkschafterInnen müssen jetzt einen Kampf darum führen, den eigentlichen Sinn der Forderung nach einer kürzeren Arbeitszeit zu verdeutlichen und Mehrheiten dafür zu organisieren. Nötig ist eine breite gewerkschaftliche Kampagne mit zwei Zielen: einer gesellschaftlichen Umverteilung des vorhandenen Reichtums von oben nach unten und einer breiten Kampagne für eine wirkliche Entlastung. Hier ist die Forderung nach drastischer Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich zentral!

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