Selbstbestimmungsrecht der Frauen

73% aller Frauen in der BRD waren schon 1971 gegen den § 218!

Fakten: Nach den Aktionen der Frauen 1971 zur Abschaffung des § 218, kämpfen 1974 Frauen und Ärzte mit vereinten Kräften gegen das Abtreibungsverbot:

»329 Mediziner bezichtigen sich des Verstoßes gegen den Paragraphen 218

73% aller Frauen in der BRD waren schon 1971 gegen den § 218!

In der Bundesrepublik wird täglich tausende Male abgetrieben. Daran verdienen Kurpfuscher und Ärzte.

Wir Ärzte (und Medizinalassistenten) wollen nicht länger mitschuldig sein an den Hunderten von Toten und Tausenden von verstümmelten Frauen jährlich! Nicht länger mitschuldig an der Erniedrigung und Bevormundung von Frauen! Die Schwangerschaftsunterbrechung ist keine Gnade, sondern ein Recht! Wir meinen, dass nur die Frau selbst darüber entscheiden kann, ob sie Mutter wird oder nicht. Wir meinen, dass wir als Ärzte verpflichtet sind, Frauen unser Wissen für diesen Eingriff zur Verfügung zu stellen. Denn der Zwang zur Mutterschaft ist ein schwerwiegender Eingriff in das Leben einer Frau und eine Verletzung der elementarsten Menschenrechte.«

Quelle: Spiegel Nr. 11, 11.3.1974

Die Macht der Kirche, auch heute noch, muss endlich gebrochen werden. Es ist keine Frage der Ethik oder eine Sünde, einen vom Körper der Frauen abhängigen Zellklumpen abzutreiben. Die Frau, dessen Körper ihn ernährt bestimmt alleine, wie sie mit ihm umgehen will. Der Staat muß sich da raushalten. Eine Strafe ist reaktionäres, patriarchales Recht. Die Würde des Menschen gleichzusetzen mit dem sogenannten ungeborenen Leben, einem Zellklumpen, der von einem anderen Leben abhängig ist, ist zynisch, ein Rückfall hinter die Aufklärung und beugt sich einem irrationalen Glaubensdiktat. Und Frauen, die zur Schwangerschaftsberatung durch Gesetz gezwungen sind, sind vor dem psychologischen und gewalttätigen Glaubensterror der Zellklumpenschützer zu schützen. Das Selbstbestimmungsrecht der Frauen gilt uneingeschränkt, unabhängig von den Diskussionen in religiösen Gruppen, die niemals gesellschaftliches Recht in einem säkularem Staat werden dürfen.

Weg mit den frauenfeindlichen, patriarchalen §§ 218 und 219, für das uneingeschränkte Selbstbestimmungsrecht der Frauen.

73% aller Frauen in der BRD waren schon 1971 gegen den § 218!

Abbildung: »Der unbekannten Frau 1976«, Entwurf: Gertrud-Jula Dech

Das Recht auf Abtreibung war nicht immer so selbstverständlich wie heute. Dennoch gab es Frauen, die ihr Schicksal selbst in die Hand genommen haben. Meine Tante gehörte zu diesen Frauen die zu einer Engelsmacherin gegangen war (1950-sie war damals zwanzig); Engelsmacher(in) — so wurden früher Menschen genannt, die illegal Schwangerschaftabbrüche vornahmen und hätte es danach fast mit ihrem Leben bezahlt. Die meisten illegalen Abbrüche waren unsicher und die Frauen hatten schwere Komplikationen oder sind verstorben. Sie wäre fast nach dem Eingriff der Engelsmacherin an den Blutungen verstorben, wenn nicht ihre Mutter (meine Oma) sie sofort ins Krankenhaus gebracht hätte. Ihr damaliger Freund billigte den Besuch bei der Engelsmacherin, er wollte das Kind auf keinen Fall, denn er war zu feige es seinen Eltern zu sagen. Einen weiteren Erben wollte man auf dem Bauernhof nicht haben.

Also fasste 1950 meine Tante auf drängen ihres Freundes den Entschluss, abzutreiben. Zu dieser Zeit waren Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland gesellschaftlich geächtet und wurden strafrechtlich verfolgt. Es war eine Zeit, in der es den Frauen nicht zugetraut wurde, eine so wichtige Entscheidung alleine zu treffen. Außerdem war es durchaus üblich, das potenzielle Leben eines Kindes höher zu werten als das einer schon lebendigen Frau. Aus Salzburg stammt das Sprichwort:
„Weibersterben—Kein Verderben. Rossverrecken—Bauernschrecken.“ Für die Kirche waren—beziehungsweise sind—Schwangerschaftsabbrüche Mord und widersprechen dem Sechsten Gebot: Du sollst nicht töten. Der österreichische Abtreibungsparagraph vor der Fristenlösung stammt ursprünglich noch aus der Zeit Maria Theresias und sah in manchen Fällen die Todesstrafe vor. Im Nationalsozialismus gab es einen Spagat zwischen Abtreibungsverbot für vor allem deutsche Frauen und Zwangsabtreibungen. Neben der Ideologie und Moral war sowohl für Maria Theresia als auch im Dritten Reich eine möglichst hohe Geburtenrate wichtig für die Armee.

Nach dem zweiten Weltkrieg verwässerte sich die Definition der medizinischen Indikation, nachdem in den Besatzungsgebieten massenhaft Frauen vergewaltigt wurden. Überhaupt lag die Interpretation der Größe der Gefahr beim behandelnden Arzt. Durch den Mangel an legalen Schwangerschaftsabbrüchen sahen sich damals viele Frauen dazu gezwungen, selbst abzutreiben. Sie haben beispielsweise mit einer glühend-heißen Stricknadel die Fruchtblase selbst zum Platzen gebracht. Manche versuchten, mit extrem heißen Bädern oder bestimmten Kräutertees der Schwangerschaft entgegen zu wirken.

Ich stimme dem zu: Die Frau, dessen Körper ihn ernährt bestimmt alleine, wie sie mit ihm umgehen will. Der Staat muss sich da raushalten. Also Weg mit den frauenfeindlichen, patriarchalen §§ 218 und 219, für das uneingeschränkte Selbstbestimmungsrecht der Frauen.

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