Schüler mit Courage

Bericht einer Brandenburger Schule

Am Mittwoch hatte das Von-Saldern-Gymnasium in Brandenburg an der Havel einen Europatag veranstaltet. Im Vorfeld war bereits von Schülerprotest gegen die Einladung von AfD-Chef Jörg Meuthen zu hören. Was genau ist passiert?

Der Europatag findet jährlich bei uns statt. An dem Tag gibt es keinen Unterricht, dafür Workshops und eine Podiumsdiskussion. In diesem Jahr wurde erstmals ein AfD-Politiker eingeladen, nämlich deren Bundessprecher Jörg Meuthen. Organisiert wurde der Tag von Schülern der elften Klasse. Sie luden im Vorfeld Politiker aus verschiedenen Parteien ein, um über »Sicherheit in Europa« zu sprechen. Es war aber nicht ganz klar, wer überhaupt zusagen würde.

Von der AfD sagte dann relativ schnell Meuthen zu. Nachdem wir das erfahren hatten, haben wir mit der zuständigen Lehrerin gesprochen. Als wir gemerkt haben, dass die Einladung nicht zurückgenommen wird, dachten wir: Okay, dann suchen wir uns noch mehr Verbündete. Am Ende waren wir um die 40 Schülerinnen und Schüler. Wir haben dann gemeinsam einen Flyer entworfen, den wir auf dem Schulgelände verteilt haben. Wir wollten damit erst einmal bei den Schülern für Öffentlichkeit sorgen, damit sich noch mehr beim Schulleiter beschweren. Das alles hat aber nicht dazu geführt, dass dieser ernsthaft darüber nachdachte, Meuthen wieder auszuladen. Daraufhin haben wir uns an die Medien gewandt. Erst danach kamen die Zusagen aus anderen Parteien. Es hätte auch passieren können, dass Meuthen dort alleine auf dem Podium sitzt.

Wie hat die Schulleitung auf eure Aktionen reagiert?

Wir haben nicht mit dem Schulleiter gesprochen, weil wir aus unserer Erfahrung wussten, dass das nichts bringt. Die zuständige Lehrerin sagte uns dann, die demokratische Legitimation der AfD rechtfertige den Auftritt von Meuthen. Die Partei auszugrenzen sei deswegen falsch, so die Aussage.

Das hat euch aber nicht überzeugt?

Nein, das hat es nicht. Die AfD ist keine Partei wie jede andere. Wir sind in unserer Gruppe auch uneinig darüber, welches das richtige Mittel im Umgang mit ihr ist. Aber wir glauben nicht, dass es allein mit Reden funktioniert. Die Partei steht für Rassismus, auch homophobe Positionen werden von deren Politikern vertreten, teilweise fallen auch antisemitische Äußerungen. Meuthen hätte als Parteichef die Möglichkeit, solche Leute rauszuschmeißen. Das tut er aber nicht. Dazu kommt: Unsere Schule trägt seit etwa zehn Jahren den Titel »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage«. In dem Moment, in dem man einen Rassisten einlädt, macht der Titel so keinen Sinn mehr.

Am Ende saßen mehrere Politiker auf dem Podium, alle im Bundestag sitzenden Parteien waren vertreten. Wie lief die Diskussion ab?

Meuthen hat relativ wenig gesagt. Anke Domscheit-Berg von der Linkspartei hat viel mehr gesprochen. Das hat uns ziemlich gefreut, weil Meuthen wenig Zeit hatte, um irgendeinen Blödsinn zu erzählen. Insofern ist unsere Idee aufgegangen. Vielleicht hat er sich auch wegen unserer Arbeit im Vorfeld und dem Medienecho zurückgehalten. Ich glaube, das ist auch ein wenig unser Verdienst. Am Ende waren bei der Diskussion eigentlich fast alle gegen Meuthen.

Gab es auch am Europatag Proteste von den Schülern?

Vor der Schule hing ein großes Banner mit der Aufschrift »Schule mit Rassisten – Schulleitung ohne Courage«. Unser Schulleiter hat daraufhin Anzeige wegen Beleidigung erstattet. Schulleitung ohne Courage könne er noch hinnehmen, hat er gesagt, aber Schule mit Rassisten gehe ihm zu weit.

Seid ihr zufrieden mit eurem Protest?

Uns wäre es sicher lieber gewesen, wenn Meuthen nicht gekommen wäre. Den meisten war wohl anfangs nicht bewusst, wer da eingeladen wurde, bis wir damit in die Öffentlichkeit gegangen sind. Viele haben nicht realisiert, dass wirklich der AfD-Chef eingeladen worden ist, quasi der Chef vom Rassistenhaufen. Aber so wie es lief, ist es okay. Wir haben einiges erreicht. Quelle: Junge Welt

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