BNS = Blick nach Spanien – Votum für die Republik

In Spanien wird die Ablehnung der Monarchie stärker. Abstimmungen über Absetzung des Königs!

Rund 23.000 Menschen haben sich am Sonntag in Madrid und mehreren Vororten der spanischen Hauptstadt an einer symbolischen Volksabstimmung über eine Abschaffung der Monarchie beteiligt. Mehr als 600 Freiwillige hatten an mehr als 50 Orten insgesamt 81 Wahllokale geöffnet, damit die Madrilenen zwischen einer Beibehaltung des derzeitigen Systems und einem Übergang zur Republik entscheiden konnten. Wie die Organisatoren – die Plattform »Monarchie oder Republik« – mitteilten, votierten in Madrid 93 Prozent der Teilnehmer für die Republik, sechs Prozent bevorzugten die Beibehaltung des Königshauses. Die größte Unterstützung für die Republik gab es in Rivas, Retiro und im Zentrum Madrids, während das traditionell konservative Salamanca den höchsten Anteil an monarchistischen Wählern verzeichnete. In Alcobendas, etwa 13 Kilometer nördlich von Madrid, hatte die Kommunalverwaltung die Durchführung der Befragung verboten. Deshalb wurden zwei Urnen an der Ortsgrenze aufgestellt, 400 Menschen nahmen teil.

Für die Veranstalter wertete deren Sprecherin Cristina Ridruejo die Resultate als »sehr positiv«. Die Tatsache, dass sich fast 1.500 Menschen in der Hauptstadt an der symbolischen Abstimmung beteiligt hätten, um für die Monarchie zu stimmen, zeige, dass selbst Unterstützer des Königshauses einsähen, dass ein verbindliches Referendum über die Staatsordnung Spaniens nötig sei. Man habe eine Debatte angestoßen und stehe am »Anfang eines demokratischen Sturms«, der sich im ganzen Land ausbreite.

Tatsächlich machte Madrid nur den Anfang. Bereits im vergangenen Juni hatte im Stadtviertel Vallekas eine solche Befragung stattgefunden, bei der mehr als 6.500 Menschen für eine republikanische Staatsform votierten. Am Sonntag fand auch im nordspanischen Miranda del Ebro ein symbolisches Referendum statt, an dem sich 1.500 Einwohner beteiligten. 1.400 von ihnen votierten für die Republik. Am gestrigen Dienstag wurden zudem in 25 Universitäten in ganz Spanien die Studenten nach ihrer Meinung gefragt, unter anderem in Barcelona, Vigo und an mehreren Madrider Hochschulen. Noch vor Weihnachten folgen Soria, Valencia, Alicante und Granada.

Auch in offiziellen Befragungen spiegelt sich die wachsende Distanz der Spanier zur Monarchie wider. Einer Ende Juli veröffentlichten Studie des Onlineportals Ctxtzufolge, sprechen sich aktuell weniger als 50 Prozent der Bevölkerung für das Königshaus aus. Am größten ist die Ablehnung der Monarchie in Katalonien, dem Baskenland sowie auf den Balearen. Zudem befürworteten 60 Prozent der Befragten die Durchführung eines verbindlichen Referendums über die Staatsform. Vor allem junge Menschen unter 35 Jahren sprechen sich für die Republik aus, während die Monarchie ihre eifrigsten Unterstützer bei den über 55jährigen hat.

Das offizielle spanische Statistikamt CIS hat seine früher regelmäßigen Umfragen über den Rückhalt des Königshauses nach einer Reihe von Korruptionsskandalen eingestellt. Auch andere Meinungsforschungsinstitute wie Metroscopia verzichten auf derartige Fragen. Nach den Gründen dafür gefragt, sprach einer der involvierten Soziologen gegenüber dem Onlineportal Público von »Selbstzensur« der großen Medien. Diese würden »lieber nicht fragen«, als eine Studie zu veröffentlichen, in der die Krone oder der König schlecht abschneidet.

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