CDU unter Freunden

Der Wettstreit der 20-Prozent Parteien um die Aufmerksamkeit des Publikums gerät in ein immer absurderes Fahrwasser.

War die Show und vor allem der Showdown um Martin Schulz schon eine dramaturgische Leistung der Meisterklasse, scheint die CDU sich nun zu bemühen, ein Spektakel zu inszenieren, das die Eskapaden des Hl. Martin der SPD noch in den Schatten stellen soll. So wie Schulz einsam aus dem Brüsseler Nichts ins Rampenlicht trat, war das ja schon ein Auftritt der Sonderklasse. Doch die CDU hat es überboten, indem sie mit Friedrich d’Artagnan, Jens Aramis und Anne Pothos gleich drei kampfstarke Figuren in Mantel und Degen auf die Bühne schickte, wo diese in einem abgesprochenen Schaukampf nach Wrestling-Manier das Publikum verzückten.

Dann: Licht aus – Spot an – erscheint auf leerer, schwarz verhangener Bühne das hässliche Entlein vor dem Porträt der Rautenmutter das AKK-homophobe Sturmgeschütz.

Die SPD hat es ja von jeher geschafft, sich ihrer Vorsitzenden dann zu entledigen, wenn das Publikum sich gerade mit deren Auftreten angefreundet hatte und dabei die Schlagzahl immer weiter erhöht, bis zu jenen historischen 331 Tagen des Martin Schulz, der sich nur vom 19. März, dem 100-Prozent-Zenit seines Daseins,  bis – inzwischen vollständig verfallen – zum 13. Februar des Folgejahres der Gunst der Genossen erfreuen konnte.

Die CDU, im Wahn, die SPD in allem überbieten zu müssen, auch in der Geschwindigkeit, mit der Vorsitzende verschlissen werden, hat keinen Tag gewartet, die frisch Gewählte schon wieder zu demontieren und es entsteht der Eindruck, dass sie von der Bühne gejagt wird, bevor sie den ersten Scheck über den monatlichen Ehrensold bei ihrer Raiffeisen-Filiale einlösen kann.

Da wird immer bestritten, dass es eine „typisch deutsche Kultur“ gäbe. Ich bin dafür, das Anpassungsverhalten der 20-Prozent-Parteien in den Katalog der deutschen Tugenden aufzunehmen und zum Weltkulturerbe ernennen zu lassen. Doch das muss schnell geschehen, denn es ist nicht auszuschließen, dass die beiden ehemaligen Kanzlerwahlvereine in Kürze aus dem g’schlamperten Verhältnis des unehelichen Verkehrs in der GroKo doch noch ehrenhafte Konsequenzen ziehen und endlich die sie prägende Ununterscheidbarkeit zum Markenkern einer neuen Einheitspartei machen. Es ist noch nicht klar, ob es eine Fusion auf Augenhöhe geben wird, oder ob es doch nur für den Beitritt der SPD-Landesverbände zur Bundes-CDU reicht, ganz nach dem Vorbild der so genannten Wiedervereinigung, doch dass es so nicht weitergehen kann, das ist inzwischen nicht mehr zu verleugnen.

Mag sein, dass Annegret und Andrea von der Vorsehung dazu bestimmt sind, diese Fusion herbeizuführen. Mag sein, dass der erbitterte Widerstand der Konservativen unter den Nenn-Konservativen nur der Verhinderung des Beitrittsvertrages gilt, nicht der Person, doch am Ende werden sie sich alle dem Willen der fliegenden Raute fügen müssen, auf dass diese, wenn endgültig die Abschiedsglocken läuten, von sich behaupten kann, sie habe ihr Haus bestellt und ihren Nachfolgern mit der CSPU, der Christlich- sozialdemokratischen-Parteien-Union, etwas hinterlassen, was die Jahrtausende überdauern wird, wie die Pyramide des Cheops, der schließlich auch ein großer Pharisäer gewesen sein soll.

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