Fastnachts-Urgestein Willi Hermann an Erschießungen beteiligt

Der Komponist von Konstanzer Fastnachtsschlagern, Willi Hermann, ist an NS-Kriegsverbrechen in Griechenland beteiligt gewesen. Stadtarchivar Jürgen Klöckler präsentiert im SWR seine neuen Erkenntnisse.

Veröffentlichen wird der Historiker seine Forschungsergebnisse am Mittwoch. In französischen und deutschen Archiven hatte Jürgen Klöckler zahlreiche Dokumente und Beweise entdeckt. Danach war Willi Hermann früh in die NSDAP eingetreten und machte als arbeitsloser Studienabbrecher ab 1933 eine steile Karriere als NS-Funktionär in der Gauleitung Karlsruhe.

Beihilfe zur Erschießung von Soldaten

Hermann verfasste völkisches und rassistisches Schulungsmaterial und reiste damit als Propagandaredner durch das Hinterland von Stockach. Außerdem fand Klöckler heraus, dass Willi Hermann als Mitglied eines Bewährungsbataillons 1943 in Griechenland an Erschießungen von mindestens 2.500 italienischen Soldaten beteiligt war, die sich der Wehrmacht ergeben hatten. Nach heutigen Maßstäben würde er dafür wegen Beihilfe zum Mord angeklagt werden, so der Historiker.

Im Generallandesarchiv Karlsruhe entdeckte Jürgen Klöckler eine Akte mit dem Titel: „Arbeitsplan für weltanschaulich-politische Schulung“, herausgegeben vom Gauschulungsamt der NSDAP im September 1937. Einer der Autoren: Willi Hermann. In der volksverhetzenden Propagandaschrift heißt es beispielsweise in einem Kapitel über den Bolschewismus:

„Welches sind die Hintermänner dieses Wahnsinns? Juden. […] Juden an der Spitze des Bolschewismus. Was ist das Endziel? Der groß angelegte Versuch des Judentums zur Beseitigung der arischen Oberschicht und ihr Ersatz durch die jüdische Unterwelt.“

Wilhelm Hartlieb und Wilhelm Hermann, 1937.
Willi Hermann sei ein Überzeugungstäter gewesen, so Historiker Klöckler. Zur Schaffung der „NS Volksgemeinschaft“ veranstaltete Hermann Dorfgemeinschaftsabende. Der erste fand in Orsingen statt.

Schunkellieder auf dem Index

Willi Hermann war vor seinem Tod 1977 viele Jahre in der Konstanzer Fastnacht zuhause. Als Büttenredner gehörte er zu den Besten – seine Fastnachtslieder wie „Mädle, wenn vu Konstanz bisch…“ sind Gassenhauer bis heute. Das Schunkellied „Ja wenn der ganze Bodesee ein einzigs Weinfass wär…“ leitete traditionell die Konstanzer Fernsehfastnacht ein. In seiner Heimatstadt Stockach erfuhr Hermann eine besondere Ehre. Die Gerichtsnarren beriefen ihn 1961 ins Grobgünstige Narrengericht.

Bei Recherchen anlässlich seines 111. Geburtstags kam die NS-Vergangenheit im vergangenen Herbst ans Licht. Die Konstanzer Narrengesellschaft Niederburg strich daraufhin die Fastnachtslieder von Willi Hermann aus dem Programm.

Jürgen Klöckler: „Eine Ikone der Fasnacht am Bodensee. Zur NS-Vergangenheit des Konstanzer und Stockacher Fasnachters Willi Hermann.“ Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung. Sonderdruck im Verlag Jan Thorbecke.

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