Gewählt als Mandatsträger – und dann?

Sehr oft werde ich in diesen Tagen gefragt: „Wie läuft das eigentlich, wenn man Mandatsträger wird?“ Jedoch bevor ich dazu komme, einige Sätze zu meiner Person.

Zu meiner Person: Ich bin 1953 in Schwelm geboren und gehöre zu der Generation, die so gerade eben noch mitbekommen hat, wie Milchpulver der Care-Pakete (Hilfspakete der Amerikaner) nach dem 2. Weltkrieg für die hungernden deutschen Kriegsverlierer, mit Wasser vermischt, schmeckt. Auch weiß ich noch, das bei uns im Winter die maximale Zimmertemperatur 16 Grad betrug. Wenn einem kalt wurde, dann wurde nicht die Heizung höher gedreht, sondern ein dickerer Pullover  mehr angezogen. Und wenn der nicht reichte, dann eben noch ein weiterer Pullover darüber. Außerdem wurde unter 10 km generell zu Fuß gelaufen, denn als Verkehrsmittel gab es nur wenige Autos und Motorräder, ein paar Busse und Straßenbahnen.

Meine ersten politischen Erfahrungen: ich halte diese Zeit meines Lebens, von meinem Denken und der 68er Einstellung, die ich meine zu weiten Teilen heute noch zu haben, für wichtig. Es kann nur jemand, der diesen Aufstieg der Deutschen von den Care-Paketen, bis zum NSU Prinz 4 Lehrling (heute Auszubildender, anderer Name, leider gilt immer noch der Spruch:  „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“) erlebt hat, nachvollziehen. Vielleicht rührt auch gerade daher meine besonders kritische Einstellung gegenüber intoleranten, mit Tricksen und Lügen behafteten Menschen, sogenannte falsche Propheten. Denn sie spielen in Nationalen politischen Szenerien oder lokalen Kreisen mit den Ängsten und Erwartungen radikaler Veränderungen.

Gesellschaftlich: Weg mit dem Mief der in gebügelten Hemden und Hosen, mit Krawatte, Hut, Schal, Handschuhen und kurzen Haaren sich ausdrückte, hin zur Jeans, Rollkragen Pullover, Turnschuhen und langen Haaren.

Innenpolitisch: Dafür standen zwei Sätze: „Nazis raus aus der Politik“. Und der von Willy Brandt oft zitierte Satz und dennoch in der Praxis in Vergessenheit geratene Satz: „Mehr Demokratie wagen“, der in drei Worten so treffend ausdrückte, was wir alle meinten.

Der Kommunalwahltag 26. Mai 2019 ist nun schon einige Zeit her – der war sicher ein einschneidendes Erlebnis – und ein langer Tag: Erst in der Nacht war das Ergebnis klar. Nach Monaten der Anspannung während unserer Wahlbewerbung als >>DIE LINKE.Brohltal<< war das vor allem ein Gefühl der Dankbarkeit und Erleichterung. Und auch der Freude, dass uns als Ortsverband die Bürgerinnen und Bürger im Wahlkreis, das Vertrauen geschenkt haben, sie zu vertreten.

Am 21. August 2019 war nun die erste Konstituierende Sitzung des Verbandsgemeinderates im Brohltal. Erste Amtshandlung war die Vereidigung bzw. Verpflichtung der Ratsmitglieder. Danach ging es weiter Schlag auf Schlag: Änderung der Hauptsatzung, Wahl der Beigeordneten, Wahl der Ausschussmitglieder, Aushändigung des Kommunalbrevier, dazwischen auch schon ein paar politische Wortmeldungen, weitere elf Tagesordnungspunkte und jede Menge Termine mit der Verwaltung, denn in den Verbandsgemeinderat einzuziehen ist vor allem eine Menge Organisationsarbeit. Was muss man nicht alles besorgen: den Laptop, jede Menge Login Daten, Nutzerkonten, Hinterlegen persönlicher Daten und immer wieder Formulare, Formulare, Formulare. Dazwischen E-Mails lesen und beantworten.

Klar –  ich bin nicht als „Tourist“ im Brohltal. Aber trotzdem gehört es meiner Auffassung nach auch dazu, sich vor allem mit den historischen Seiten und Stätten des Brohltals  auseinanderzusetzen, auch um das Bewusstsein für einen demokratischen Parlamentarismus zu entwickeln und zu kultivieren.

Neben dem Start im Brohltal bemühe ich mich, Institutionen zu besuchen und Gesprächspartner zu treffen. Meine Reihe „DIE LINKE.Brohltal Sprechstunde“ aus den Zeiten des Wahlkampfs werde ich weiter fortsetzen um Einrichtungen, Vereine, Firmen und vor allem Menschen im Wahlkreis noch besser kennen zulernen.

Meine bisherige Bilanz: Eine extrem hohe Taktung der Termine, eine großartige Organisation des Ortsverbandes und der Verwaltung, die den Start sehr effizient gestaltet haben und viele neue Kollegen, die einen sehr freundlich aufgenommen haben. So kann es weitergehen.

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