40 Jahre-Die Grünen feiern ihre Gründung

40 Jahre und die Grünen feiern ihre Gründung. Von der Protestpartei zur Kriegspartei,ist das ein Grund zu feiern?

Wer auf die Bündnisgrünen als Friedenskraft vertraut hatte, durfte sich 1999 beim Angriffskrieg gegen Jugoslawien die Augen reiben. Nach ja, den Eiertanz beherrschen Sie vorzüglich.

Auf einem Parteitag forderte die Öko- und Friedenspartei 1995 wieder einmal den Ausstieg der Bundesrepublik aus der NATO. Auf die Frage, was er davon halte, antwortete der kürzlich verstorbene Konkret-Herausgeber Hermann Gremliza damals: »Vor den Grünen treten die USA aus der NATO aus«. 25 Jahre danach sind Die Grünen hierzulande immerhin die wildeste antirussische Partei und seit langem Kriegsfreunde. Ihr heutiger Kovorsitzender, Robert Habeck, sagt jedenfalls, ein »Militäreinsatz« schafft »manchmal die Bedingung, um Frieden überhaupt zu ermöglichen«. Das entspricht dem Konsens des Establishments und großer Teile der Bevölkerung: Krieg ist Frieden, wenn die Bundeswehr beim Töten mithilft. Es ist die historische Leistung der Grünen, die am Freitag ihren 40. Gründungstag und den 30. des DDR-»Bündnisses 90« in Berlin feierten, deutschen Staatsterrorismus gesellschaftsfähig gemacht zu haben. Der Bundespräsident dankte auf der Festveranstaltung.

Als die Partei ab 1998 mit der SPD in einer Regierung saß und Bomben sowie Geschosse mit abgereichertem Uran auf Zivilisten, Straßen, Züge und Chemiewerke in Jugoslawien niedergehen ließ, dankte ihr die FAZ, weil sie bürgerkriegsähnliche Zustände in dem Balkanstaat verhindert habe. Der erste deutsche Angriffskrieg seit Hitler hatte ein grünes Vorzeichen.

Das wiederholte sich, als fast alle Grünen-Abgeordneten im Bundestag 2001 die Hand für deutsche Truppen in Afghanistan hoben. Macht nichts. Die kürzlich in Österreich gebildete Regierung aus faschistennaher ÖVP und Grünen beweist: Man kann das Klima schützen – und Grenzen, z. B. vor Flüchtlingen aus Afghanistan. So eine Koalition, sagte Marianne Birthler, früher Bündnis 90, am Freitag im RBB, könne sie sich hier auch vorstellen. Die DDR-Beseitigung muss schließlich einen Sinn gehabt haben: Schwarz-Grün. Eine barbarische Farbkombination, also passend.

Zeitzeugin Jutta Ditfurth: „Als wir 1981 mit sechs Menschen in den Frankfurter Römer gewählt wurden, wurden wir Grünen auch für die Leute um Daniel Cohn-Bendit und Joschka Fischer interessant, die uns zuvor bekämpft hatten. Sie kündigten in ihrer Zeitschrift Pflasterstrand 1982 die ,Übernahme‘ der Grünen an. In einer ,Kampfansage‘ forderte Herausgeber Cohn-Bendit, die Grünen mit einer ,Eintrittswelle zu überschwemmen‘. Sie nannten sich ,Realpolitiker‘ und schmähten uns linke Grüne als ,Fundamentalist*innen‘ (,Fundis‘). 1984 sollte die nächste Liste für den Römer aufgestellt werden.

Auf den Kreismitgliederversammlungen saßen die neu eingetretenen Mitglieder hinten im Saal, spielten Karten und tranken Bier. Wenn es galt, Realo-Kandidat*innen durchzusetzen und linke Grüne zu verhindern, brüllte Daniel Cohn-Bendit, der aufpasste: ,Jetzt!‘ Dann hoben alle Neumitglieder ihre Stimmkarte. Nach drei Versammlungen ähnlicher Art war die linke Mehrheit gebrochen. Jetzt konnten sich die Sponti-Realos auf Hessen konzentrieren. Aus den üblichen rund 300 Mitgliedern wurden auf der entscheidenden Landesversammlung in Neu-Isenburg im Herbst 1985 rund 1200 Mitglieder. Die Entscheidung für eine Koalition war noch programmwidrig, den Neuen war’s egal. So wurde Josef ,Joschka‘ Fischer Minister und kaufte sich neue Turnschuhe.“

»Jutta Ditfurth, Mitgründerin der Grünen, später Wechsel zur ‚Ökologischen Linken’«

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