Helden im Knast – Verbrecher hofiert, Kommunisten inhaftiert.

Ist jemandem Hans Heisel oder Robert Steigerwald bekannt?

Hans Heisel war zuerst Wehrmachtssoldat, dann Widerstandskämpfer. Die postnazistische BRD ignorierte ihn: keine Ehrung, keine Auszeichnung. Oder besser gesagt, er wurde nicht ignoriert, sondern für seinen Heldenmut bestraft. 1959 verurteilte ihn ein bundesdeutsches Gericht zu 15 Monaten Haft. Der Vorwurf: Fortführung der Arbeit in der seit 1956 illegalen KPD. Diejenigen Nazis, die er in den Jahren der deutschen Besatzung in Paris Seite an Seite mit der Résistance bekämpft hatte, saßen wenige Jahre später im Adenauer-Staat wieder in allen möglichen Ämtern und rächten sich an dem Deserteur und Vaterlandsverräter.

Heisel hatte von der Résistance den Auftrag, die gesamte Wehrmachtsführung in Paris in die Luft zu sprengen. Das Attentat scheiterte, weil der Widerstand im letzten Moment zögerte. »Liberateur«, so nannten ihn auch konservative französische Zeitungen wie Le Monde. Eine Würdigung der Widerstandskämpfer? »So etwas ist in Deutschland ganz unmöglich!« Seine Worte, seine Empörung sind in der Dokumentation »Die Staatsfeinde« für die Ewigkeit festgehalten. Hans Heisel starb am 12. Juli 2012 neunzigjährig in Frankfurt am Main.

Dieselben Nazis

Die Sache mit der Kommunistenverfolgung ist der gesamten offiziellen erinnerungsbesoffenen Bundesrepublik nicht der Erwähnung wert. Der Regisseur Daniel Burkholz indes hatte sich zuvor bereits eines anderen weitgehend verschwiegenen Themas angenommen: die gegen Linke ausgesprochenen Berufsverbote, in seiner Dokumentation »Verboten–Verfolgt–Vergessen« von 2012. In »Die Staatsfeinde« geht Burkholz einen Schritt weiter und zeigt Menschen, die in den ersten Jahren der Bundesrepublik mit ihrer famosen FDGO politisch verfolgt wurden. Zusammen mit der Journalistin und Frauenrechtsverteidigerin Sybille Fezer präsentiert er nun einen berührenden, doch niemals peinlichen Film über Kommunisten, die damals im Knast landeten, weil sie Kleinzeitungen erstellt und verteilt, sich gegen Krieg und Wiederbewaffnung ausgesprochen hatten, weil sie sich mit der Teilung Deutschlands nicht abfinden wollten oder ganz einfach, weil sie Kommunisten waren. Der westdeutsche Staat reagierte mit Hausdurchsuchungen, beruflicher Benachteiligung und Isolationshaft.

Den Krieg hassen

Es waren Tausende. Darunter Robert Steigerwald, auch er inzwischen verstorben. Steigerwald erzählt, wie er als damaliger Flugzeugführer bei der Luftwaffe den Krieg hassen lernte und zum Antimilitaristen wurde. Erst als SPD-Mitglied, später dann in der KPD. Und wie er dann an der Volksbefragung zur Remilitarisierung mitwirkte. 1953 wurde Steigerwald verhaftet, 1956 wegen Staatsgefährdung vor Gericht gestellt und vom VI. Strafsenat des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Es sind solche Staatsfeinde, die hier porträtiert werden.

Eine ganze Generation wurde in den Krieg getrieben, einige – es waren ihrer viel zu wenige – widersetzten sich. Diese Kriegsgegner wurden später schikaniert und kriminalisiert, lebten in der Bundesrepublik unter widrigen Bedingungen, ohne je eine Wiedergutmachung erfahren zu haben. Unterstützung kam manchmal von östlich der Elbe. »Einmal kam ein Paket aus der DDR«, erzählt die Frau des früheren Kindersoldaten Otto Marx, der wegen des KPD-Verbots untertauchen musste, woraufhin beide in finanzielle Schwierigkeiten gerieten. Die 2014 verstorbene Rosemarie Stiffel saß ebenfalls in einem von Adenauers Knästen, weil dem bundesdeutschen Staat die politische Ausrichtung des Deutschen Jugendrings, wo sie damals aktiv war, nicht passte. »Was hier nach dem Krieg mit den Menschen passiert ist, ist zum Teil noch unbekannt« sagt sie in Burkholz’ Film.

»Der Versuch, in den 50er Jahren ein anderes Land aufzubauen, wurde niedergeschlagen. Die alten Nazis gelangten wieder in Amt und Würden«, sagt Burkholz im Gespräch. Seinen Film verstehe er als einen Beitrag zur Diskussion, zur Auseinandersetzung mit dem Thema. »Heute werden in Deutschland wieder extrem rechte Positionen hoffähig (…). Da mag es nicht schaden, einen Blick in die Geschichte zu werfen, um den Bestrebungen der Rechten etwas entgegenhalten zu können«. Die Auswahl der Zeitzeugen habe sich wie selbstverständlich ergeben, verrät der Regisseur auf Nachfrage. Einige der Angefragten, die heute nicht mehr politisch aktiv sind, aber unter der damaligen Repression gelitten hatten, wollten mit den Filmemachern nicht vor der Kamera reden. Unterstellt, es bestünde von offizieller Seite eine ernsthafte Sorge um die demokratischen Verhältnisse in diesem Land, würde dieser Film in jeder Schule gezeigt werden.

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