Am 27. Januar 1945 Vernichtungslager Auschwitz befreit

Am 27. Januar 1945 haben Einheiten der Roten Armee das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz befreit. Das jährt sich zum 75. Mal.

Man muss zum einen die Toten ehren. Man muss alle die ehren, die in Auschwitz als Asche geblieben sind, die jüdischen Opfer, die Sinti und Roma, die sowjetischen Kriegsgefangenen. Und man muss gleichzeitig den Blick auf die heutige Welt richten. Wenn man das Eine tut und das Andere lässt, ist es kein richtiges Gedenken. Das hat immer nur Sinn, wenn man auch über die Welt spricht, wie sie heute ist – und wie sie wieder mal werden könnte, wenn wir alle gemeinsam nicht aufpassen beim Blick auf das, was geschieht. So wollen die Überlebenden das Gedenken gestaltet wissen. Das verbinden sie mit diesem Gedenkakt am 27. Januar in Auschwitz selbst. Deshalb ist es für sie einfach schmerzlich, dass es um diesen Gedenktag wieder zwischen Polen und Russland sowie zwischen Polen und Israel Konflikte gibt. Für sie wäre dieser Tag ein Tag, an dem es gerade keine Auseinandersetzungen hierzu geben sollte. Kein Tag der reinen Harmonie, des reinen Gedenkens, aber ein Tag, an dem Gespräch das wichtigste Medium ist, und nicht Abgrenzung voneinander.

Auschwitz wird für uns Menschen immer ein Stachel in unserem Fleisch bleibt. Unseresgleichen hat das gemacht! Man kann das deshalb nicht abgrenzen, als wäre das eine von anderen Spezies bevölkerte Welt gewesen. Auschwitz ist eine Welt, die uns unmittelbar angeht. 75 Jahre sind in der Geschichte der Menschheit ein wirklich kurzer Zeitraum. All das steht ganz nah vor unserer eigenen Haustür – und ist heute auf unseren Straßen wieder virulent. Das zu erzählen ist ganz wichtig. Aber es ist deshalb auch schwierig, weil natürlich Menschen die Herausforderung spüren.

Auschwitz-Überlebende haben formuliert: Es ist geschehen und es kann wieder geschehen, und das ist der einzige Sinn, warum wir darüber sprechen. Auschwitz-Überlebende sehen das so, dass das nicht dämonisiert werden soll, sondern in der Realität und Logistik des Staatsverbrechens darzustellen ist. Auschwitz war ja keine Räuberhöhle, keine absurde Situation, sondern es war ein streng logistisch getaktetes Mordunternehmen, das in allen Facetten vom damaligen deutschen Staat organisiert und betrieben worden ist. Das zu verstehen, das ist für die Menschen, die dort hingehen, besonders für die Kinder, eine ganz große Herausforderung.

Zuerst hat man in Westdeutschland Anfang der 50er Jahre gesagt: „Jetzt ist endlich mal Schluss!“ Da hatte man noch gar nicht mit der Aufarbeitung angefangen. Seitdem zieht sich das durch die deutsche Geschichte. Es gibt immer Menschen, die irgendwann wollen, dass Schluss ist. Gleichzeitig entsteht alles in den Grundstrukturen wieder neu, was damals zu dieser Situation geführt hat.

Aufklärung ist ganz wichtig. Staatliche Unterstützung von pädagogischen Initiativen ist immens wichtig. Gleichzeitig ist das Bewusstsein von Menschen wichtig, sich deutlich zu machen: „Es liegt an mir! Ich muss mich im Internet laut machen gegen Antisemiten. Ich kann das, nicht der Staat muss sich äußern. Ich bin ein Teil des Staates und bin jetzt verantwortlich.“ So wie die Überlebenden sagen: „Ihr seid die Zeugen der Zeitzeugen.“, sind wir die Verantwortlichen der Demokratie.

Es waren noch etwa 8.000 Menschen im Lager, als die sowjetische Armee kam. Die anderen hatte die SS Richtung Westen getrieben. Für viele Überlebende ist das unvergessen, was die jungen sowjetischen Soldaten – die menschlich völlig überfordert waren mit dem, was sie in Auschwitz sahen, diese Toten und Halbtoten, die Asche, die Knochenberge, die in den Himmel ragten – getan haben. Die sich mit Sensibilität und Zartheit ihnen gewidmet haben und versucht haben, die Halbsterbenden ins Leben zu ziehen, manches falsch gemacht haben, aber sehr schnell begriffen, was geschehen ist – vom Kameramann der Roten Armee bis zu den einfachen Soldaten, bis zu den Ärzten und Offizieren, die die Protokolle angefertigt haben und begriffen haben, dass da ein Verbrechen geschehen war und dass die Zeugnisse sichergestellt werden müssen.

Wir als Nachkommende Generationen hier in Deutschland sind zwar nicht mehr schuldig dafür, was die Nazis angerichtet haben, aber wir tragen Verantwortung dafür, das sich dieses niemals wiederholt. Deshalb wehret den Anfängen, gerade jetzt.

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