Die Coronapandemie und die Schlachthöfe

In einer Fleischfabrik in Coesfeld wächst die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Arbeiter rasant. Auch in anderen deutschen Schlachthöfen häufen sich die Infektionen. Wird jetzt überall getestet?

Moderne Sklaverei beenden!”, hat der Pastor mit roter Farbe auf das Holzschild geschrieben. Jetzt hält er es hoch vor dem Schlachthof.

Fazit: Das Elend der zu Niedrigstlöhnen ausgebeuteten osteuropäischen Schlachtarbeiter ist seit vielen Jahren bekannt – ohne Corona wäre es einfach unbeachtet weiter gegangen. “Unsichtbar” ist das Leiden nur, weil die Mainstreammedien fast nie darüber berichten (wollen?). Die Politik hat bis heute nichts gegen diese moderne Lohnsklaverei unternommen; im Gegenteil, die Hartz-IV-Parteien haben sie nach Kräften gefördert. Dass diese Menschen in Mehrbettzimmern und heruntergekommenen Schrottimmobilien leben (müssen), ist doch fundamental den unterirdischen Löhnen (noch unter dem viel zu niedrigen deutschen Mindestlohn) geschuldet. Hoffnung, dass die Corona-Katastrophe ein Umdenken in der Politik auslöst, sollte man nicht haben. Und wenn man lesen muss, “Ohne die [Arbeitsmigranten aus Rumänien oder Bulgarien] geht seit der EU-Osterweiterung nichts mehr in vielen deutschen Schlachthöfen.”: was für ein wirtschaftsliberaler Unsinn. Soweit ich mich erinnern kann, wurde auch vor der EU-Osterweiterung in Deutschland geschlachtet, und natürlich wäre es auch ohne Osteuropäer weiter gegangen. Die Rumänen und Bulgaren wurden nur “gebraucht” im Sinne von “benutzt”, um die Löhne gegen Null zu drücken.

Angesichts Hunderter Corona-Fälle unter Schlachthaus-Mitarbeitern erwägen Fachpolitiker in der SPD-Bundestagsfraktion eine Verschärfung der Arbeitsschutzgesetze. “Wir haben 2017 zusätzliche gesetzliche Standards für die Fleischwirtschaft definiert – wenn das nicht reicht, müssen wir auch gesetzlich nochmal ran”, sagte die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Katja Mast. Es liege auf der Hand, “dass die Wohnverhältnisse der Beschäftigten und das Infektionsgeschehen zusammenhängen”.
Im Jahr 2017 hatte der Bundestag das “Gesetz zur Sicherung von Arbeitnehmerrechten in der Fleischwirtschaft” verabschiedet. Es sieht unter anderem vor, dass der Arbeitgeber die Zahlung von Sozialbeiträgen für die oft aus dem Ausland stammenden Mitarbeiter gewährleisten muss und ihnen Arbeitsmittel, Schutzkleidung und persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung stellen muss.

Also, “liebe” Politiker (…),

mit solchen Krokodilstränen kommt Ihr nicht davon. Diese Masche funktioniert hier nicht! Alle, aber wirklich alle (!!!) haben davon gewusst oder es geahnt, wie die Menschen, die in Schlachthöfen für wenig Geld schuften, seit Jahren untergebracht werden. Und wie brutal geschlachtet wird. Nicht nur in Coesfeld, auch bei Tönnies, und auch bei Spargelstechern. Vom Bundestagsabgeordneten bis zum Kreispolitiker, und (fast alle) drücken seit Jahren die Augen fest zu – einschließlich der Hühneraugen…. Wirksame Kontrollen, meist Fehlanzeige, durch Kumpanei zwischen Politik und Wirtschaft vor Ort?

Vielleicht hilft jetzt ein kleines Virus…oder bald gerät alles wieder in Vergessenheit!

Auch das ist lange bekannt: Doch um das Elend vieler Tiere, die während ihres kurzen Lebens in engen, teilweise dunklen Käfigen gequält werden, kümmert sich kaum eine Sau. (…) Am wenigsten die dafür zuständige Ministerin, die lächelt solche Probleme gern weg….

Trotz des starken Ausbruchs von Corona unter den Mitarbeitern will das Unternehmen Westfleisch sein Werk in Coesfeld nicht schließen. Bis Donnerstagnachmittag wurden 129 Mitarbeiter positiv getestet. Der Engpass bei den Mitarbeitern sei trotz des Ausbruchs nicht so gravierend, wie anfänglich vermutet.

Ehemaliger Job-Center-Mitarbeiter als Inhouse-Union-Buster bei Egetürk.
Betriebsratsvorsitzende Gülden I. braucht Solidarität. Der Kölner Fleischproduzent Egetürk zieht derzeit alle Register, um sich einen Tarifvertrag vom Leib zu halten und seinen aktiven Betriebsrat zu zerschlagen. Dazu gehören schmutzige Methoden wie Streikbrechergeld, Unterschriftensammlungen gegen den gewählten Betriebsrat und abstruse Kündigungsversuche. Wenn es so weiter geht, wird das Marken-Image von Egetürk schweren Schaden nehmen. Denn wer will schon Knoblauchwürstchen (Sucuk) essen, in denen Schweiß und Tränen der Beschäftigten stecken?

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