Corona und der Fleischbaron

Wie viele Menschen sind außerhalb von Tönnies betroffen, wie genau hat sich das Virus so stark verbreitet? Welche Rolle spielen gekühlte Räume und enge Abstände bei den Arbeitern der industriellen Fleischverarbeitung? Oder die engen Verhältnisse unter denen die Werkvertragsarbeitnehmer leben müssen. Lieber jetzt mit einem Lockdown hart durchgreifen, als später viel länger hart durchgreifen zu müssen.

Die Menschen in den betroffenen Regionen sind allerdings zu Recht wütend, denn wie eine Moorleiche scheint verdrängte Missstände durch die Corona Pandemie ans Licht zu kommen. Über die prekären Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie berichten Medien und Gewerkschaften seit Jahrzehnten. Aber erst jetzt spricht der Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) davon, mit der gesundheitlichen Gefährdung und der Ausbeutung von Menschen müsse Schluß sein. Wieso kommt er erst jetzt zu diesem Schluß? Weil in Gütersloh und Umgebung die Menschen auf die Straße gehen? Weil viele Unbeteiligte durch den erneuten Lockdown wirtschaftlich einen hohen Preis zahlen werden? Brauchte es wirklich die Corona Pandemie um zu erkennen, dass durch industrialisierte Fleischfabriken eine Fehlentwicklung sind, wenn sie nur mit prekären Arbeits- und Lebensbedingungen ihrer Arbeiter überleben können? Klar ist schon jetzt, dass das mit und ohne Corona unwürdige Zustände sind. Und das der Gesetzgeber seit langem bessere Standards für alle hätte vorschreiben müssen. Und das am besten EU-weit, damit am Ende nicht ähnlich produziertes Billigfleisch aus den Nachbarländern in die Theken kommt.
Viel zu spät demonstriert die Politik jetzt Entschlossenheit. Hoffentlich gelten die guten Vorsätze auch nach der Pandemie noch.
 
Wie viele andere auch spendete der Schweinebaron Tönnies an die CDU. Passiert ist viele Jahre nichts. Reiner Zufall? Und vieles spricht dafür, dass das politische Empörungs-Geschwätz bald wieder verebbt.

Demokratie wird auch mit „Herrschaft des Volkes“ übersetzt. Das ist eher ein Witz. Das „repräsentative“ System in der Bundesrepublik ist mehr und mehr handlungsunfähig. Drei Beispiele:

  1. Die Werkverträge in der Fleischindustrie, die zu brutaler Ausbeutung von Arbeitsmigranten führen, gibt’s schon lange. Der Schweinebaron Tönnies spendet an die CDU. Passiert ist viele Jahre nichts. Reiner Zufall? Und vieles spricht dafür, dass das politische Empörungs-Geschwätz bald wieder verebbt.
  2. Seit vielen Jahren wissen wir, dass Millionen Rentnern Altersarmut droht. Die Mehrheit des Bundestags, 70 Prozent Akademiker, juckt das nicht. Wir bräuchten nur das österreichische Gesetz abzuschreiben, wo ein Durchschnitts-Rentner im Monat 800 Euro mehr hat.
  3. Die die Demokratie aushebelnde Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen wächst seit Jahrzehnten. Der Bundestag hat nichts dagegen getan, sondern die Reichen mit Steuergeschenken überhäuft. Die neoliberalen Parteien einschließlich der AfD sind gegen Vermögens- und Erbschaftssteuern. In der Corona-Pandemie wächst das Vermögen der Milliardäre. Der Gipfel des Skandals: Das Vermögen des Milliardärs Jeff Bezos ist in sechs Monaten von 115 auf 150 Milliarden also um 35 Milliarden Dollar gewachsen.

Wir leben in einem Schweinesystem. Wie lang soll das noch weitergehen? Wir brauchen, wie in der griechischen Demokratie, eine dritte Kammer, in der durch Los ausgewählte Bürgerinnen und Bürger Mitsprache im Gesetzgebungsverfahren haben. So können wir die Mauer aus wirtschaftlicher Abhängigkeit und politischer Untätigkeit vielleicht durchbrechen.

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