Der Migrant – die Migrantin

Neulich fragte mich eine junge Immigrantin, wie das Wort >>Integration<< geschrieben wird. Ich sagte ihr, dass kannst Du auf „duden.de“ sehen. „Duden.de“ scheint zu wissen, worum es wirklich geht, unter Bedeutung und Beispiele findet man beim Wort Integration unter Punkt 2. Das Beispiel: „Die Integration der hier lebenden Ausländer ist nach wie vor ein dringendes Problem“. Ich fasse also die Hauptworte zusammen und was kommt raus: „Integration Ausländer Problem.“

Sie sah mich erschrocken an: „Integration hat einen Ausländer als Problem?“. Wer der integrationsunwillige Problemausländer ist, ist schnell ermittelt: Alles, was schwarzhaarig ist, ungebildet (wissenschaftlich: bildungsfern), arm (wissenschaftlich: polymultible Vermittlungsschwierigkeiten) und moralisch fragwürdig (wissenschaftlich: potenzielle Gewaltbereitschaft) oder überhaupt viele dunkle Haare hat, zusammengefasst in dem landläufigem begriff >>Bimbo oder Ali<<.

Das Problem ist auch schnell hausgemacht: sie sprechen kein Deutsch? Oder sie haben eine viel zu dunkle Hautfarbe, oder viel zu viele dunkle Haare oder sie sind ein >>Dauerbeleidigteragressivermesserstecherschweinefleischabstoßenderdeutschenhassenderfrauenschlägermensch<<.

Ja, Integration ist eben nichts für schwache Nerven. Wer ist dieser Integration?

Was man gefälligst als Ausländer oder Neudeutschmigrant tun muss, um kein Problem darzustellen, ist ja mittlerweile kollektives Wissen: Der ausländische Migrant muss die deutsche Sprache können und muss sich der deutschen Leitkultur (Wer ist dieser Deutschland?) unterordnen. Er sollte möglichst nicht bedrohlich aussehen und Frauenrechtler sein; also eine Identitätsmatschepampe aus Goethe, CDU/CSU, blonder Junge von der Kinderschokoladenpackung und Alice Schwarzer. Und selbst wenn du es geschafft hast, deine Identität in genau diese Matschepampe zu verstümmeln, wann ist Integration eigentlich beendet? Wann? Gibt es ein Datum, eine Uhrzeit, einen Tag oder ein Jahr? Gibt es verifizierbare Anhaltspunkte, Fakten in den Akten oder erkennbare Symptome einer definitiv abgeschlossen Integration? Gibt es ein Integrationsabitur? Kann der oder die Immigrant(in) das irgendwo ablegen? Gibt es ein Amt für Integrationsabschlüsse (Kennzeichnung: i.A), einen Ausschuss, Gremium, Jury? Irgendein Institut, das ihnen die erfolgreiche abgeschlossene Integration schriftlich bestätigt, damit sie ihren Migrationshintergrund hinter sich lassen und glücklich in einen Inklusionsvordergrund gehen können?

Die Zukunft der Integration? Und was kommt nach der Integration? In der Soziologie wird Integration in vier Phasen beschrieben: Exklusion, Separation, Integration, Inklusion. Denken wir die Phasen zu Ende, was sind diese Menschen dann? Sind sie dann die Integrierte der Integriertengruppe? Heißen sie dann Inkludierte von Migranten zu Integrierten bis zu Inkludierten? Werden sie dann Fragen beantworten, die anfangen mit: „Sie als Inkludierte dieser Gesellschaft, wie ist es denn so als inkludierte Exintegrationsmigrant(in) mit ausländischen Wurzeln in der deutschen Gesellschaft? Geht es Ihnen gut bei uns?

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