Stakeholder-Kapitalismus

Wir Menschen machen unsere Geschichte selbst und können ihr eine neue Richtung geben wenn wir alle Verhältnisse umwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.

Nur der Stakeholder-Kapitalismus, das z.B. die Konzerne Verantwortung für den Zustand der Welt übernehmen, wird es für uns nicht besser machen. Denn dahinter steckt nichts anderes als die Privilegien der väterlich streng herrschenden Alpha-Klasse bewahren. Es ist abzusehen, dass dieser gewünschte Wandel, den das Weltwirtschaftsforum im Sinn hat, der Übergang zur digital überwachten und kontrollierten Variante mit ihrer total überwachten, ruhiggestellten und manipulierten Bevölkerung einer schönen neuen Welt sein soll.

Und hierbei kommt durch Akkumulation von Reichtum dann auch der Weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock ins Spiel. Niemand besitzt mehr Anteile an deutschen Unternehmen als Blackrock. Bei vielen der Dax-Konzerne ist der Vermögensverwalter sogar der größte Anteilseigner. Auch im ersten Halbjahr verdiente die Firma Milliarden. Blackrock ist für die meisten Menschen hierzulande so etwas wie eine Black Box, eine Firma, deren innerer Aufbau und eigentliche Tätigkeit unbekannt sind – und entsprechend argwöhnisch beäugt werden. Viele haben den Namen erstmals gehört, als Friedrich Merz im letzten Jahr CDU-Parteivorsitzender werden wollte. Merz leitet den Aufsichtsrat der Deutschland-Tochter des in New York ansässigen Unternehmens.

Eine Macht in Deutschland

Dabei ist der verschwiegene Vermögensverwalter längst eine Macht in Deutschland, hält Anteile an fast allen größeren Börsenunternehmen. Dazu gehören Dax-Konzerne wie die Wohnungsbaufirma Vonovia ebenso wie die Deutsche Bank, der Chemieriese BASF oder das Darmstädter Pharmaunternehmen Merck. In der Regel schwanken die Anteile zwischen drei und acht Prozent. Dabei stammen die Beteiligungen nicht aus eigenem Kapital, sondern vor allem aus physisch replizierenden ETFs, aber auch aus aktiv verwalteten Blackrock-Investmentfonds.

Ein derart schwergewichteter Vermögensverwalter, der die Ersparnisse von vielen Hunderttausend Menschen verwaltet, verfügt natürlich auch über privilegierte Beziehungen zu Notenbanken und Politikern.

Keine Regierung, keine Behörde habe einen so umfassenden und tiefen Einblick in die globale Finanz- und Firmenwelt wie Blackrock, warnen Kritiker. Selbst der berüchtigte Milliardär und Hedgefondsmanager Carl Icahn stufte Blackrock deshalb als „sehr gefährliches“ Unternehmen ein, das die Stabilität des gesamten Finanzsystems ins Wanken bringen könne.

Tatsächlich agiert Blackrock anders als ein Hedgefonds. Der Vermögensverwalter kauft keine Aktien, um mit den dadurch erhaltenen Stimmrechten aktiv in die Strategie eines Unternehmens eingreifen und Macht ausüben zu können. Vielmehr agiere Blackrock wie die meisten anderen Vermögensverwalter auch in erster Linie wie ein Treuhänder, der Firmenanteile in erster Linie für die Kunden kaufe und nicht für sich selbst.

Und noch etwas ist den Managern wichtig: Blackrock verwalte nicht nur das Geld amerikanischer Lehrer, wie oftmals behauptet werde. Auch deutsche Anleger hätten dem Unternehmen einen dreistelligen Milliardenbetrag anvertraut – in der Hoffnung ihr Geld damit vermehren zu können, um im Alter über ein ausreichendes finanzielles Polster zu verfügen.

Seit zwei Jahrzehnten erleben wir einen Prozess der Akkumulation von individuellem Reichtum, wie es ihn auf globaler Ebene noch nie gab. Das addierte Vermögen der Milliardäre – derzeit ein Kreis von 2200 Personen – lag laut Berechnungen der Großbank UBS in den Jahren 1998 bis 2002 nahe einer Billion. 2007 waren es sieben Billionen. In den Folgejahren gab es einen deutlichen Einbruch; erst 2010/2011 wurde das 2007er Niveau wieder erreicht. Seither gibt es kein Halten: 2017 waren es neun Billionen. Und ausgerechnet im Corona-Jahr 2020 stieg dieses Vermögen nochmals auf aktuell rund zehn Billionen Dollar

Die Vermögenssteigerungen bei einzelnen Personen wie Jeff Bezos von Amazon (189 Milliarden Dollar reich), Bill Gates (Alphabet; 124 Mrd. Dollar), Elon Musk (Tesla; 103 Mrd. Dollar) und Mark Zuckerberg (Facebook; 100 Mrd. Dollar) sind hinreichend bekannt. Das Reicher-Werden dieser Milliardärs-Gruppe übersteigt das Wachstum der Weltwirtschaft im genannten Zeitraum 2000 bis 2020 um mehr als das Fünffache.

Es steht auch in einem krassen Widerspruch zur anhaltenden Armut in großen Teilen der Welt und zu dem wachsenden Heer von prekär Lebenden in der westlichen Welt. Oxfam bringt das wie folgt auf den Nenner: „Die weltweit 2153 Milliardäre besitzen inzwischen so viel wie 60 Prozent der Weltbevölkerung.“

Es liegt im Bereich der Spekulation, ob es 2021 bei dieser fragilen Kluft zwischen einer krisenhaften Realwirtschaft und einem stabilem Finanzsektor bleibt oder ob es doch zu einem Finanzcrash kommt. Es ist kaum vorstellbar, dass das aktuelle Modell der Weltwirtschaft mit diesem unglaublichen Pampern der großen Unternehmen, Banken und Reichen durch Staatsschulden und Steuergelder stabil bleibt. Zumal diese Krise zu einer enormen Umstrukturierung der weltweiten Kräfteverhältnisse führen wird, mit einem nochmals schnelleren Aufstieg der Wirtschaftsmacht China und einem auch unter US-Präsident Biden verstärkten Handelskrieg – die massive fortgesetzte Aufrüstung gegen die VR China inbegriffen.  Der gewaltige individuelle Reichtum dient natürlich nicht primär dem privaten Luxus dieser Personengruppe. Mit ihm werden insbesondere die Kapitalsammelstellen gespeist, die damit ihre Macht in der Realwirtschaft – das Hineinwirken in Konzerne und Banken – ausbauen. Es entwickelt sich eine informelle Weltregierung dieser Geldverwalter mit Elementen einer wirtschaftlichen Kommandozentrale. Larry Fink, der bereits zitierte Kopf von BlackRock – die Gruppe kontrolliert ein ihr anvertrautes Kapital in Höhe von mehr als sieben Billionen Dollar; sie ist an 17.000 Unternehmen, darunter an allen 30 DAX-Konzernen, beteiligt – versendet seit 2012 in jedem Jahr eine Art „Dringliche Empfehlung“ an Tausende Bosse von Konzernen und Banken. Der aktuelle Fink-Brief vom Januar 2020 liest sich wie eine Wirtschafts-Enzyklika. Sie

ist „den Klimarisiken“ gewidmet und bezieht sich auch positiv auf den Papst und dessen „Forderung nach einer CO2-Bepreisungsordnung“. Der Brief droht kaum verhohlen damit, Unternehmen, auf die BlackRock Einfluss hat, „zur Verantwortung“ zu ziehen, wenn diese keine nachhaltige Unternehmensausrichtung praktizierten. Explizit heißt es dort, dass „Wertpapiere von Kohleproduzenten“ ein „Nachhaltigkeitsrisiko“ darstellten; weswegen Investments in solchen Unternehmen abgestoßen werden würden.

Bingo; es geht also in die richtige Richtung! Wenn das Weltproletariat schon versagt – oder, wie manche vermuten, abhandengekommen ist – dann scheint es doch eine Weltregierung aufgeklärter Kapitalkreise zu geben.

Eine langfristige Garantie zum Überleben der Menschheit gibt es nur jenseits der bestehenden Wirtschaftsordnung. Es dürfte schwierig werden, dafür 2021 die Voraussetzungen zu schaffen. Ein paar Elemente dessen, was die erwähnten Kapitalkreise mit 100-Prozent-Kurzarbeitergeld, Beschäftigungsgarantie und Reduktion des Outputs um ein Fünftel umsetzen, sollten sich Linke und Gewerkschaften jedoch auf die Fahne schreiben und dafür im kommenden Jahr mobilisieren.

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