Solidarisch durch schwierige Zeiten – »FCK 2020«

Ob mit Bleigießen, mit Kristallkugelgucken oder neuerdings mit Querdenken, gerade in biederem Gewand läuft das Monströse nicht selten zur Bestform auf. Wir sollten beim »Zukunftsabrakadabra«, wer was vorhergesagt, was an Systemrelevantem passiert, z. B. für 2016 den Anfang vom Ende Europas. Das heißt den »Brexit«.
Für 2019 eine schwere Kopferkrankung des amtierenden US-Präsidenten. Was hinhaute: Ganz gesund war Donald Trump zwischen den Ohren nie. Ich bin kein Experte für Okkultes, möchte aber vielen an´s Herz legen, nicht auf das Bild-Horoskop, die meistgelesene deutsche Zeitungsrubrik, hereinzufallen. Ebenso buddeln Fachblätter für Okkultes und Krawall, d. h. Politik im Kapitalismus, wie der Münchner Merkur, oder Daily Mail (uvm.) aus London jährlich zum Jahresende irgendwelche quatschigen Vorhersagen aus. Ob es für 2021 Saures satt gibt, weiß keine(r): Europa klappt zusammen, auf den russischen Präsidenten wird ein Attentat verübt, die Erdumlaufbahn verschiebt sich, und Muslime terrorisieren mit Chemiewaffen oder umgekehrt.
Für mich ist der Befund eindeutig – die Klassenspaltung hat sich 2020 vertieft. Ein Beispiel aus Übersee, da wo Amazon-Gründer Jeffrey Bezos und Tesla-Boss Elon Musk herkommen: Die 650 Gigareichen der Vereinigten Staaten besitzen zusammen mehr als vier Billionen US-Dollar. Corona bedeutet für sie weitere Reichtumsanhäufung. Indes nur für sie. Ihr Vermögen ist fast doppelt so hoch wie das gesamte der ärmeren Hälfte der rund 330 Millionen Einwohner des Landes, ermittelte jüngst die Nichtregierungsorganisation Amerikaner für Steuergerechtigkeit (ATF). Und zu dieser Realität gehört auch Ernährungsarmut. Jeder achte US-Bürger hat nicht genug zu essen.
Kapitalverbrecher wüten selbstredend auch hierzulande. Ein Schurkenstück: Industrielle prellen den Fiskus – und zwar nicht zu knapp. Nach Berechnungen des unternehmernahen Ifo-Instituts entgehen dem Staatshaushalt jährlich Milliardensummen. Allein die 333 größten deutschen Multis tricksen, was das Zeug hält. Das Leib- und Magenblatt des deutschen Kapitals, die FAZ, berichtete kürzlich, dass dadurch ein Steuerschaden von rund 1,6 Milliarden Euro entsteht, jährlich wohlgemerkt. Kein Pappenstiel, und doch nur ein Kavaliersdelikt. So entfielen laut FAZ insgesamt 47 Milliarden Euro – das sind neun Prozent der globalen Gewinne deutscher Firmen – auf Tochtergesellschaften, die in Steueroasen einen Briefkasten haben.
Die Einnahmeverluste durch Steuerschlupflöcher hindern die Staatshaushälter nicht, Großkonzerne mit milliardenschweren Krisenhilfen zu päppeln. Lufthansa, TUI oder die Deutsche Bahn etwa. Finanzmittel, die ohne Gegenleistung ausgeschüttet werden – denn: Jobgarantien erhalten Beschäftigte nicht. Im Gegenteil, »Personalkosten« werden zusammengekürzt. Die Folge: Unter denen, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, grassiert bisweilen pure Existenzangst.
Noch ist er oft sporadisch, es gibt ihn aber: den Widerstand von unten gegen die Klassenangriffe von oben. Kampagnen gegen Leiharbeit und Werkverträge beim Fleischmagnaten Tönnies, lokale Betriebskämpfe wie bei Haribo im westsächsischen Wilkau-Haßlau, aber auch Streikwellen in Versandzentren des Onlineriesen Amazon. Es sind Vorboten für mehr Gegenwehr, hoffentlich.
Das Motiv ist klar: Die Reichen sollen für die Krise zahlen. Geld ist schließlich genug da – nur eben falsch verteilt. Gigareiche, Kapitalverbrecher, Großkonzerne, Fleischmagnaten um nur einige wenige aufzuzählen müssen wissen: Bilanziert wird am Schluss.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.