Die Ärmsten bekommen nichts

Die Verarmung sei im »Pandemiejahr 2020« weiter vorangeschritten, erklärte Ulrich Schneider am Donnerstag in Berlin bei der Vorstellung des jährlichen »Armutsberichts« seines Paritätischen Gesamtverbandes. Nach den nun vorliegenden Zahlen des Mikrozensus, der kleinen Volkszählung durch die Statistikämter, müssten »16,1 Prozent der Bevölkerung, das entspricht 13,4 Millionen Menschen, in diesem Lande zu den Armen gerechnet werden«. Vorläufiger Höhepunkt eines »stetigen Aufwärtstrends« seit 2006.

Für rund vier Fünftel der Bevölkerung sei das Krisenjahr mit »überhaupt keinen finanziellen Einbußen« verbunden gewesen, heißt es in dem Bericht. Das verbleibende Fünftel waren vor allem Erwerbstätige. Die Armutsquote bei den abhängig Beschäftigten stieg im Vergleich zum Vorjahr von 7,9 auf 8,3 Prozent, bei den Selbständigen von neun auf 13 Prozent. Zwar stieg auch die Zahl der Bezieher von Arbeitslosengeld I – von 810.000 auf mehr als eine Million –, aber man muss schon lange nicht mehr seinen Job verlieren, um arm zu sein. Ein großer Teil der Betroffenen schlage sich »knapp oberhalb der Schwelle zu Hartz IV und Altersgrundsicherung« durch, heißt es in dem Bericht.

Entgegen verbreiteter Klischees verfügte die Mehrheit der Armen auch nicht über einen Migrationshintergrund, aber über mittlere oder hohe Bildungsabschlüsse (50 bzw. 14 Prozent). Überproportional betroffen waren allerdings nach wie vor Alleinerziehende (40,5 Prozent) und Haushalte mit drei und mehr Kindern (30,9 Prozent).

Staatliche Maßnahmen wie das Kurzarbeitergeld hätten 2020 sicherlich viele vor dem Absturz in die Armut bewahrt, konstatiert der Report. Die Not derer, die bereits arm waren, wurde jedoch nicht gelindert. Für sie entfiel das kostenlose Schulessen, Sozialkaufhäuser und Tafeln blieben geschlossen, gezielte Hilfen aber blieben aus. »Ein wiederkehrendes Muster« im Regierungshandeln, wie der Bericht vermerkt.

Auch dass die neue Regierung die »seit Jahren trickreich kleinmanipulierten Regelsätze« nicht einmal prüfen wolle, war für Schneider am Donnerstag ein Offenbarungseid.

Anmerkung und Quelle: Paritätischer Wohlfahrtsverband

– Paritätischer stellt Bericht zur Armut in Deutschland vor.

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